erschienen im "Radreport" 01/2003
Leipzig will in die Bundesliga der Radfahrerstädte so titelte ein Beitrag in der Leipziger Volkszeitung vom 15. Juni. Experten stellten fest: Leipzig ist die radfahrerfreundlichste Großstadt in Ostdeutschland. Im Beitrag ging es um ein Projektiertes größeres Radroutennetz und es war die Rede von 70 km gut ausgebauter Piste, zusätzlich zum heutigen Bestand das Konzept sieht im Ergebnis Radial- und Ring-Verbindungen vor. Sorgen bei der Realisierung machen wie immer! die Finanzen, die mit 2 Mio. im Jahr eher nur von symbolischer Größenordnung sind. Aber dennoch wird im Endergebnis lt. Beigeordnetem Engelbert Lütke Daldrup ein riesiges Speichenrad, das von der City bis in alle eingemeindeten Ortsteile reicht angepeilt. Das sollte zuversichtlich stimmen!
Die knappen Kassen und damit verbundene längere Realisierungs-Zeiträume sind ja nur die eine Seite. Und: Mit einem sichtbaren und kontinuierlichen Wachstum des versprochenen Speichenrades, als sicheres Radwegenetz in der Stadt, konnten die Radfahrer zufrieden sein. Aber: Problematisch wird die Sache, wenn derweil sich die Radler in Vorfreude auf die Umsetzung des In-Aussicht-Gestellten bereit sind zu gedulden auf den im Flächennutzungsplan zum Fuß- und Radwegeausbau ausgewiesenen Grünbereichen Straßenplanung erwogen wird und anstelle von beschlossener Entsiegelung Neuversiegelung im großen Stil erfolgen soll. Diese Horrorvision droht, wenn bei der gegenwärtig im Amt für Verkehrsplanung laufenden (erneuten) Prüfung zum Trassenverlauf des Mittleren Ring (auf dem der Kfz-Verkehr gebündelt werden soll) im Osten und Südosten Leipzigs die alternative Bahnvariante favorisiert würde.
Für diese Bahnvariante würden im Bereich zwischen Richard-Lehmann-Straße und Theodor-Heuss-Straße auf ca. 5 km Streckenlänge die drei denkmalgeschützten Parkanlagen Wilhelm Külz, Dr. Güntz und Stünz und dazwischen jede Menge Kleingärten ruiniert. Hunderte alter Bäume und der neu angelegte Radweg zwischen Schönbach- und Oststraße ein Abschnitt einer grünen Ausbauachse würden unter der Piste einfach verschwinden. Stattdessen würde sehr verkehrlich! um eine Lieblingsvokabel des Amtes für Verkehrsplanung zu benutzen eine 4-spurige quasi Stadtautobahn entstehen, auf der man dann mit Tempo 80 ganz flink durch den nun gänzlich unattraktiven Leipziger Osten brausen kann.
Hintergrund für diesen Planansatz ist der Wunsch des Bürgervereins Stötteritz/Ortschaftsrat Molkau nach einer möglichst umfassenden Verkehrsberuhigung auf den bisher genutzten Durchgangsstraßen in diesen beiden Stadtteilen. Dem Gesprächsangebot und Kompromissvorschlag unserer Bürgerinitiative zweispuriger qualifizierter Ausbau der bestehenden Straßen unter sinnvoller Erweiterung der Knotenpunkte und Schutz des Stadtgrüns in Leipzig verschließen sich die Vereine bisher leider beharrlich. Eine zwischenzeitlich durch uns erarbeitete Studie, die auch den Entscheidungsträgern der Stadt vorliegt, belegt die Machbarkeit unseres reduzierten Ausbauschlages.
Mit viel Aufwand und Trommelwirbel wird derzeit das sog. Grüne Band in Angriff genommen eine Grünverbindung, die zukünftig als Ost-West-Achse vom Hauptbahnhof über den Eilenburger Bahnhof und durch die Rietzschkeaue verlaufen soll. Enden würde diese Grüntrasse im Osten dann am Mittleren Ring! Die Chance, einfach weiter in den Stünzer Park zu radeln, wäre vertan! Der Stadtratsbeschluss über den Trassenverlauf des Mittleren Ringes Ost/Südost ist für Ende 2003 vorgesehen. Bis dahin wird es sicher noch einiger Aktivitäten bedürfen, um den Planern und dem Stadtparlament die notwendige Sensibilität im Umgang mit den grünen Oasen in unserer Stadt abzuringen. Bisher ist es uns gelungen, tausende Unterschriften gegen die Trasse durchs Grün zu sammeln, und wir sammeln weiter ! Wer sich am Protest beteiligen möchte, ist eingeladen! Übrigens: Unser Gesprächsangebot an BV Stötteritz/OR Mölkau steht nach wie vor.
Claudia Kerreit, BI Mittlerer Ring Ost/Südost